Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels: Nichtstun wird teurer als Handeln

Prof. Dr. Herrmann Lotze-Campen, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung
Prof. Dr. Herrmann Lotze-Campen, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, Lehrstuhl für Klimaresilienz am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, erläutert an dieser Stelle exklusiv den Hintergrund seiner Rede, die er auf der portfolio institutionell Jahreskonferenz 2020 in Berlin hält.

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Klimawandels stellen politische wie wirtschaftliche Entscheidungsträger vor große Herausforderungen. Zum einen handelt es sich bei der globalen Erwärmung um eine sehr langfristige Entwicklung, die, sobald einmal in Gang gesetzt, nur sehr schwer aufzuhalten ist. Das heißt, es sind bereits kurzfristig Investitionen und konkrete Aktivitäten notwendig, deren positive wie negative Wirkungen sich aber erst langfristig offenbaren werden. Zum anderen sind die sozio-ökonomischen Kosten der Klimawirkungen sowie die Kosten der Emissionsvermeidung zeitlich und räumlich sehr ungleich verteilt. Während die meisten Klimawirkungen mit steigender Tendenz über die Zeit eintreten und erst in einigen Jahrzehnten ihre volle Wucht entfalten werden, fallen die notwendigen Kosten der Emissionsvermeidung, zum Beispiel der Energietransformation, schon heute und in naher Zukunft an. Dies ist unvermeidlich, denn der gesellschaftliche Umbau zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Entwicklung muss möglichst schnell beginnen, um möglicherweise unbeherrschbare Schäden und Kosten später zu vermeiden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klimawirkungen vor allem ärmere, vulnerable Entwicklungsländer treffen werden, während die frühen Kosten der Emissionsvermeidung vor allem in den reichen Industrieländern anfallen. Eine weitere Herausforderung bei der Berechnung der Kosten des gesellschaftlichen Nichtstuns wie auch der Kosten der ambitionierten Emissionsvermeidung stellt die Wahl der angemessenen gesamtwirtschaftlichen Diskontrate dar. Der englische Stern Review (2006) hat hier eine wichtige methodische Grundlage gelegt, aber viele methodische Fragen werden bis heute kontrovers diskutiert. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat 2014 zusammenfassend festgestellt, dass die gesamtwirtschaftlichen Kosten eines Business-as-usual bei ungebremstem Klimawandel sehr wahrscheinlich deutlich höher liegen werden als eine radikale Emissionsverringerung durch den Umbau des Energiesystems und Begrenzung der Landnutzung. Allerdings gibt es bei den konkreten Zahlen, zum Beispiel zu den “Social costs of carbon”, immer noch erhebliche Unsicherheiten.


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