Von Risiken und großer Verantwortung

Vorreiter der Nachhaltigkeit: ESG-Trends erörterten Dr. Karin Bassler vom Arbeitskreis Kirchlicher Investoren, Ewald Stephan von der Verka, Silke Stremlau von den Hannoverschen Kassen und Dirk Braun von der EnBW (v.l.n.r.). (Bild: Andreas Schwarz)
Vorreiter der Nachhaltigkeit: ESG-Trends erörterten Dr. Karin Bassler vom Arbeitskreis Kirchlicher Investoren, Ewald Stephan von der Verka, Silke Stremlau von den Hannoverschen Kassen und Dirk Braun von der EnBW (v.l.n.r.). (Bild: Andreas Schwarz)

Frage an Dr. Karin Bassler, Geschäftsführerin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren in der evangelischen Kirche in Deutschland (AKI), der einen Leitfaden zur ethisch-nachhaltigen Geldanlage ­erstellt hat, ob nach diesem in EnBW investiert werden dürfe. Bassler verweist darauf, dass Kohle und Ölsand mit Umsatzgrenzen von zehn Prozent ausgeschlossen wurden. Im Rahmen des AKI habe man sich jedoch auch damit beschäftigt, wie man über Engagement Unternehmen aktiv begleiten kann. So wurde beispielsweise mit Unternehmen das Gespräch gesucht, welche nach dem Carbon Disclosure Project (CDP) als besonders klimaschädlich bewertet wurden. Ziel sei es, diesen Unternehmen Anreize aufzuzeigen, sich zu verbessern. Der Leitfaden sei als Baukasten zu verstehen, stellt Bassler die Rolle der Empfehlungen klar, denn auch innerhalb der evangelischen Kirche gäbe es sehr unterschiedliche Anleger mit ganz eigenen Voraussetzungen.

 

Sechs Lichtgestalten des Fixed-Income-Managements erhellen die Anleihenwelt: Philipp Good (Fisch AM), Owen Murfin (MFS), Robert Tipp (PGIM Fixed Income), Dr. Steffen Gehring (Südwestmetall), Jan von Graffen (Alte Leipziger) und Gianni Hirschmüller (Haftpflichtkasse) (v.l.n.r.). Nicht im Bild: Moderator Dr. Harald Eggerstedt (Willis Towers Watson). (Bild: Andreas Schwarz)
Sechs Lichtgestalten des Fixed-Income-Managements erhellen die Anleihenwelt: Philipp Good (Fisch AM), Owen Murfin (MFS), Robert Tipp
(PGIM Fixed Income), Dr. Steffen Gehring (Südwestmetall), Jan von Graffen (Alte Leipziger) und Gianni Hirschmüller (Haftpflichtkasse)
(v.l.n.r.). Nicht im Bild: Moderator Dr. Harald Eggerstedt (Willis Towers Watson). (Bild: Andreas Schwarz)

Investoren mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und auch sehr unterschiedlichen Anlagestrategien sind auch auf dem Panel zu den großen Fixed-Income-Stellschrauben vertreten. Die Alte Leipziger fährt im Fixed-Income-Bereich, in der sie 30 ihrer 36 Milliarden Euro investiert hat, sehr defensiv. „Wir halten die Brot-und-Butter-Klasse so sicher, dass wir wirklich auch unsere Garantien erfüllen können, ­damit Themen wie Run-Offs gar nicht erst aufkommen. Und gemäß unseren ALM-Modellen ist dies auch in diesem Umfeld gar kein ­Thema“, so der Leiter Fixed Income der Alte ­Leipziger. Das ausschließlich direkt investierte Kapital ist in lang­laufende Anleihen mit hoher Qualität investiert, die durchschnittliche Duration liegt bei 14 Jahren. Dabei betont er, dass die Alte Leipziger den Vorteil hatte, bereits 2008, also vor der durch Solvency II ­ausgelösten Herdenbewegung, in lange Durationen gegangen zu sein, wovon sie heute unter dem Strich in der Bewertung profitiert. Denn auf dem Podium wirkt der Vertreter der Alte Leipziger angesichts der Turbulenzen auch an den Anleihenmärkten des vergangenen Jahres recht entspannt. Die Spreadausweitung habe sich bei hoher Qualität kaum bemerkbar gemacht. Als HGB-Bilanzierer könne man jedoch kleinere Wackler im Zweifelsfall auch mal aussitzen. Der Return kommt über andere Asset-Klassen wie Infrastruktur, Aktien und ­Immobilien. Unabhängig davon stellt sich für ihn die Frage, ob es ­angesichts der Verschuldungsgrade, gerade in den USA, zum der­zeitigen Zeitpunkt so ratsam ist, in den Credit-Bereich zu gehen.

Hohe Verschuldung als Problem

Die hohe Verschuldung beäugt auch Gianni Hirschmüller, Leiter ­Kapitalanlagemanagement bei der Haftpflichtkasse VVaG, mit zunehmender Sorge. Er habe seit längerem Aktien als Störenfriede ­empfunden, die Haftpflichtkasse habe deswegen seit 2017 gar keine Aktien mehr im Portfolio. Die Spreadausweitung wertet er als Weckruf, der jedoch überwiegend nicht gehört wurde. „Das, was im ­Moment passiert, dass Unternehmen sich zu einem abartig niedrigen Zins, das muss man einfach mal sagen, verschulden dürfen und Investoren blind jede Zeichnung verfolgen, das ist keine gesunde, keine gute ­Entwicklung.“ Ihn erstaune, dass man bereits wieder auf einem ­Niveau wie in 2018 sei und eine Tendenz bestünde, erneut höhere ­Risiken einzugehen.

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