Infra-Assets: Hinter hohen Hürden locken stabile Erträge

Otto Hörner (l.) warb als „Brückenbauer" im Sinne der Initiative Deutsche Infrastruktur für mehr Investitionsbereitschaft. Mit ihm auf dem Podium: Michael Rieder, Axel-Rainer Hoffmann und Markus Altenhoff (v.l.n.r.). (Bild: Andreas Schwarz)
Otto Hörner (l.) warb als „Brückenbauer“ im Sinne der Initiative Deutsche Infrastruktur für mehr Investitionsbereitschaft. Mit ihm auf dem Podium: Michael Rieder, Axel-Rainer Hoffmann und Markus Altenhoff (v.l.n.r.). (Bild: Andreas Schwarz)

Der Ökonom aus Österreich warb für mehr Investitionen in smarte Technologien, um bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen und für die Behebung von ‚Bottlenecks‘ auf deutschen ­Straßen. Er rechnete vor, dass der deutsche Pendler 120 Stunden im Jahr im Stau steht. Bei 18 Millionen Pendlern und 35 Euro an Opportunitätskosten und 1,2 Milliarden Litern an zusätzlich verbrauchtem ­Treibstoff kämen schnell pro Jahr 80 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichem Schaden zusammen. Der Stau auf der Schiene und die Verluste in der Logistikbranche seien da noch nicht mitgerechnet.

Um die Straßen effizienter zu nutzen, könnten Gabriel Felbermayr zufolge Smart-Pricing-Modelle helfen. Dabei denkt der Ökonom an eine Maut für PKW, die sich dynamisch an die Gegebenheiten des Fahraufkommens anpassen könnte. Dem Prinzip folgend: Zu Stoßzeiten erhöht sich auch der Preis der Nutzung. Ökonom Felbermayr erklärt hierzu: „Wenn es deutlich teurer würde, zu Stoßzeiten zu ­fahren, ­würde man einen Lenkungs­effekt haben.“

Ziel der Bepreisung könne es zudem sein, auch Mittel für Bauvor­haben zu gewinnen, erinnerte Felbermayr an die LKW-Maut in Österreich. „Und wenn Zweckgesellschaften mit dem Recht versehen ­werden, die Straße zu bepreisen, dann könnte das ein Weg sein, der zu multiplen Dividenden führen würde.“ Ökonom Felbermayr ­empfiehlt eine bessere Nutzung der bestehenden Infrastruktur und dass Investitionen nicht so sehr in Beton, sondern in die Software ­erfolgen, mit der man die Bepreisung umsetzen kann.

Unterwegs mit Railpool

Auch die Volkswohl Bund Versicherungen, die im Investorenbeirat der Initiative Deutsche Infrastruktur vertreten sind, investieren in Verkehrsinfrastruktur, allerdings in einem anderen Bereich, dem Schienenverkehr. Sie investieren in Lokomotiven und zwar in solche mit Elektroantrieb. Im September 2017 haben sie sich an Railpool ­beteiligt. Railpool ist ein Leasing-Unternehmen, das Elektro-­Lokomotiven an Bahnunternehmen in Europa verleiht, darunter die Deutsche Bahn oder die österreichische Bundesbahn. 65 Mitarbeiter kümmern sich um Wartung und Instandhaltung der circa 200 ­Lokomotiven. Kapitalanlage-Vorstand Axel-Rainer Hoffmann ­erläutert den Markt und die Motive für das Investment: „Eine Lokomotive ist technisch komplexer als ein Waggon, deshalb gibt es hohe ­Eintrittsbarrieren und nur eine überschaubare Anzahl von ­Wettbewerbern. Der Anteil des Schienenverkehrs am Güterverkehr beträgt nur 17 Prozent, da gibt es großen Nachholbedarf.“ Außerdem sehe der Bundesverkehrswegeplan 2030 von 300 Milliarden ­insgesamt allein für die Schiene 125 Milliarden Euro vor. „Es gibt hier große ­Potenziale und viel nachzuholen“, so Hoffmann. Zudem seien Elektrolokomotiven ein nachhaltiges Investment, Umweltschutz werde durch die Bevölkerung immer mehr eingefordert, was auch Bewegungen wie die ‚Fridays for Future‘ zeigten. Als Investment Case spannend sei für den Volkswohl Bund zudem der Full-Service-Ansatz von Railpool. „Es ist in dem Geschäft wichtig, dass man auch den Daumen drauf hat, wenn es um Reparaturen sowie Ersatzteile geht und dass man nicht abhängig ist bei Lieferengpässen. Deshalb ist es für uns wichtig, dass es ein eigenes Ersatzteillager und eine ­eigene Werkstatt gibt.“ Sorgen darum, dass die Lokomotiven nicht vermietet werden könnten, macht Hoffmann sich keine. „Wir sehen eine hohe ­Nachfrage und sind flexibel aufgestellt: 40 Kunden in 16 Ländern sind eine ziemlich gute Diversifikation.“

IfW-Präsident Professor Dr. Gabriel Felbermayr will mit smarten Technologien die ,Bottlenecks' – und damit die -Stauzeiten – auf deutschen Straßen verringern oder gar ganz abschaffen. (Bild: Andreas Schwarz)
IfW-Präsident Professor Dr. Gabriel Felbermayr will mit smarten Technologien die ,Bottlenecks‘ – und damit die -Stauzeiten – auf deutschen Straßen verringern oder gar ganz abschaffen. (Bild: Andreas Schwarz)

Die Vielfalt der Assets im Bereich Infrastruktur ist so groß wie die ­Essential Services, die Dienstleistungen der Grundversorgung, die ­dahinter liegen. Das Spektrum reicht vom Kindergarten, vom  ­Studentenwohnheim oder Pflegeheim bis hin zu Flughäfen oder ­Rechenzentren. Auch das Thema Glasfaser war Teil der Konferenz, ein Bereich, bei dem Deutschland in Europa Schlusslicht ist, so ­Michael Rieder von Palladio Partners. „Beispielsweise hat Spanien ­circa 40 Prozent der Festnetzanschlüsse schon im Glasfaserbereich ­umgesetzt, während Deutschland mit nur 2,4 Prozent eines der Schlusslichter in Europa ist. Das ist ein volkswirtschaftliches ­Problem, weil die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands an diesen Themen massiv hängt.“ Die Gründe für den schleppenden Ausbau liegen ­Rieder zufolge unter anderem auch in der nach wie vor starken ­Stellung der Deutschen Telekom und der Nutzung von bestehenden DSL-Leitungen statt Glasfaser. Diese bereits bestehenden Leitungen sind finanziell für die Deutsche Telekom sehr attraktiv. Mittlerweile gebe es aber Druck: „In Deutschland findet gerade ein sehr großer Umbruch statt und auch die Deutsche Telekom denkt um.“

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